Werke





















































Über die Künstlerin
Birgitta Weimer hat in den letzten 40 Jahren ein bildhauerisches Œuvre von hoher auratischer Qualität entwickelt. Ihre Werke bewegen sich im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft, wodurch sie gleichermaßen sinnlich wie intellektuell faszinieren. Eine klare, reduzierte Gestaltung verbindet sich darin mit Formschöpfungen, die im Dialog mit den Natur- und Geisteswissenschaften entstanden sind. Die Bildhauerin konzentriert sich in ihren Arbeiten auf Themen, die Grundfragen des Lebens und der menschlichen Existenz berühren. Vor allem Erkenntnisse und Fragestellungen aus dem Bereich der Biowissenschaften, aber auch aus Physik, Anthropologie und Philosophie inspirieren sie zu konzeptuell ausgefeilten plastischen Werken. Ökologische Problematiken klingen zuweilen ebenso an wie poststrukturalistische Denkweisen.
Formalästhetisch sind Weimers Arbeiten allein deshalb beeindruckend, weil in ihnen bildnerische Gegensätze mühelos interagieren: Geometrische Prägnanz und Strenge, wie man sie von der konkreten Kunst oder vom Minimalismus her kennt, verknüpfen sich mit amorphen Strukturen, die auf den ersten Blick ungeordnet oder gar chaotisch erscheinen. Harte, kantige Elemente treffen auf weiche, fließende; Opazität auf Transparenz oder Spiegelungen. Den ordnenden Pol ihrer Werke bilden elementare Grundformen wie Quadrat, Rechteck und Kreis sowie deren dreidimensionale Äquivalente – Würfel, Quader, (Halb)Kugel. Diese radikal einfachen Formen wirken in den Raum hinein und mit ihm zusammen. In den meisten Fällen sind sie weder mit symbolischer noch sonstiger inhaltlicher Bedeutung aufgeladen, doch bringen sie Ruhe und Konzentration in eine Komposition. Oft fungieren sie als Spielfläche für eine andere, ungezügelt anmutende Realität, die geprägt ist von scheinbar natürlich wuchernden Gestaltformen. […]
In der Regel arbeitet sie durchweg mit technischen Materialien wie Stahl, Silikon, Kunststoff oder Glas. Aus ihnen erschafft sie plastische Arbeiten, die an elementare Bausteine des Lebens erinnern, zum Beispiel an Molekülstrukturen oder Blutbahnen. Mitunter sind ihre Werke von bestimmten Lebensformen inspiriert. Die Medusen (2012) etwa muten mit ihren halbrunden Schirmkörpern aus Glasfaserkunststoff und den daraus erwachsenden Dickichten aus feinen Plastikschläuchen wie riesenhafte Quallen an. Schön und bedrohlich zugleich strahlt ihr leuchtendes Scharlachrot in den Raum. Die Künstlerin spielt mit den bis zu 2,7 Meter hohen Arbeiten auf die ökologisch bedenkliche Vermehrung und Vergrößerung dieser Nesseltiere infolge der Erwärmung der Weltmeere an, die sogenannte Verquallung oder Jellyfication.
Auch ihre Plateaus (2024) beziehen sich auf marines Leben. Die Werkgruppe besteht aus fünf unterschiedlich großen, runden Plattformen in mattem Schwarz. Sie dienen als Bühne für lockere Arrangements aus ebenso schwarzen Halbkugeln, auf denen organische Formgebilde wachsen. Weimer verweist damit auf die von allerlei Meerestieren bevölkerten Manganknollenfelder in der Tiefsee. Weil diese reich an industriell nutzbaren Metallen sind, werden sie seit einigen Jahren verstärkt abgebaut – ungeachtet möglicher negativer Folgen für die Umwelt und den Menschen. Zunehmend um die Natur besorgt, setzt sich die Künstlerin auch in den Plateaus mit einer beängstigenden meeresökologischen Schieflage im Anthropozän auseinander.
Weimers Arbeiten basieren auf einem holistischen Grundverständnis der Welt als lebendiges Netzwerk, in dem alles mit allem zusammenhängt und sich wechselseitig bedingt. […] Systemische Strukturen, die Mikro- und Makrokosmos wie auch jedem menschlichen Denken und Sein zugrunde liegen, nimmt sie dabei ebenso ins Blickfeld wie Kettenreaktionen in einer bedrohten Umwelt. Kunst ist für Birgitta Weimer nie bloßer Selbstzweck und immer mehr als eine physische Auseinandersetzung mit dem gewählten Werkstoff: Ihr geht es um die Visualisierung von Ideen in Materie, um ein Denken mit den Händen. (Auszüge aus: Barbara Willert: Denken mit den Händen)
Vita
| 2027 | August-Macke-Medaille der Stadt Bonn |
| 2023 | Pollock Krasner Foundation Grant, NY |
| 2009 | Gastprofessur Kyoto University of Art and Design, Japan |
| 2003/2004 | Vertretungsprofessur Fachhochschule Darmstadt, Fachbereich Gestaltung |
| 2000/2001 | Lehraufträge University of Chicago und Institute of Art and Design, |
| Milwaukee, Wisconsin | |
| 1999/2000 | Lehraufträge Bauhaus-Universität Weimar, Universität Duisburg-Essen |
| 1998/1999 | Projekt Zukunft der Arbeit für Expo und Fachbereich Wirtschaftswissenschaften |
| der Hochschule Witten-Herdecke | |
| 1996 | Artist-in-Residence, Loughborough University, GB |
| 1992 | Friedrich-Vordemberge-Stipendium der Stadt Köln |
| 1986/87 | Postgraduierten-Jahresstipendium des DAAD für bildende Kunst |
| in Gambia (Westafrika) | |
| 1980 – 1986 | Studium freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei |
| Kai Sudeck, Sigmar Polke und Ulrich Rückriem | |
| 1976 – 1979 | Studium Ethnologie und Anthropologie in Göttingen |
| 1956 | geboren in Gemünden am Main |
Ausstellungen (Auswahl)
| 2026 | APHOTAL. Am Rande des Lichts, Galerie Maurer, Frankfurt |
| 2024 | Connectedness, Museum Ritter Waldenbuch (E) |
| 2023 | (UN)SICHTBAR. Kunst im Anthropozän, Galerie Maurer, Frankfurt /M (E) |
| 2022 | Messier Objects, Davis Klemm Gallery, Wiesbaden |
| 2020 | Hyperobjects, Galerie Judith Andreae Bonn (E) |
| 2019 | Reflecting Gaia, Skulpturenpark Daun, Vulkaneifel |
| 2018 | Spukhafte Fernwirkung, Galerie Maurer, Frankfurt/M |
| Wahrscheinlichkeitswolken, Galerie Judith Andreae, Bonn | |
| Rot kommt vor, Museum Ritter, Waldenbuch | |
| 2017 | Daseinsformen, Osthausmuseum Hagen |
| Sterne. Kosmische Kunst von 1900 bis heute, LENTOS Museum Linz, Österreich | |
| 2015 | Verkörperungen, Galerie Gerken Berlin (E) |
| Walking Dots, Galerie der Künstler München | |
| 2014 | Luminale, Galerie Maurer Frankfurt |
| Skizzen und Modell zu Stella Nova, Osthaus-Museum Hagen | |
| Neue Galerie Landshut (mit Claudia Desgranges) | |
| 2013 | Reflecting Space, Galerie Maurer, Frankfurt |
| Im Ruhepuls, Internationale Gartenschau Hamburg | |
| 2012 | Survivors, Rheinisches Landesmuseum, Bonn |
| InnerOuter Space, Wende Art Villa Heusgen, Krefeld | |
| 2011 | Visual Analogies and Inquiries (mit Michiko Itatani), |
| Milwaukee, Institute of Art and Design, Milwaukee, USA | |
| Biomorph! Hans Arp im Dialog mit aktuellen Künstlerpositionen, | |
| arp museum Bahnhof Rolandseck Remagen | |
| 2010 | EI_2010, Plan10 – Forum aktueller Architektur in Köln, Kunstbar Köln |
| 2009 | Reconstructing Nature, Galeri Konstruktiv Tendens, Stockholm |
| Reconstructing Nature, Museum und Galerie Im Prediger, Schwäbisch Gmünd | |
| 2008 | Galerie der Stadt Tuttlingen |
| New Walls from Berlin, Sundaram Tagore Gallery New York | |
| I dream of Genomes, Islip Art Museum, Islip, New York | |
| 2007 | Arbeiten auf Papier und Skulpturen, Georg-Meistermann-Museum Wittlich |
| Three Billion Years of Sex, artmark galerie Wien (E) | |
| Sphären, Kunstverein Leverkusen | |
| Even if Love, Kunstverein Ludwigshafen (mit Yuko Shiraishi) | |
| 2006 | Galeri Konstruktiv Tendens, Stockholm |
| Morphogenesis-Metagenesis, Galerie Dorothea van der Koelen, Mainz | |
| Natural Structures, Galerie Dorothea van der Koelen, Venedig | |
| 2005 | Szenenwechsel, Museum für konkrete Kunst Ingolstadt |
| 2004 | Morphogenesis, Galerie Edith Wahlandt, Stuttgart |
| 2002 | Third Nature, Flint Institute of Arts, Flint, Michigan, USA |
| Third Nature, Kay Kimpton Contemporary Arts, San Francisco, CA, USA (E) | |
| 2001 | Unter der Haut. Transformationen des Biologischen in der zeitgenössischen Kunst, |
| Lehmbruck Museum Duisburg | |
| 2000 | Pseudo Organism, Fassbender Gallery, Chicago |
| 1999 | Vor der Vollendung, Galerie Edith Wahlandt, Stuttgart |
| Vor der Vollendung, Städtische Galerie Gladbeck | |
| Material und Form, Haus der Baugewerkschaft, Frankfurt/M | |
| 1998 | Holon, Städt. Galerie Villa Zanders, Bergisch Gladbach |
| Clusters, International Community House, Kyoto, Japan | |
| Clusters, Museum of Contemporary Art, Sapporo, Japan | |
| 1997 | Ruhe in Bewegung, Galerie Edith Wahlandt, Stuttgart |
| Resources, Fassbender Gallery, Chicago, | |
| 1996 | Crossover, Dortmunder Kunstverein |
| 1994 | Transmitter, Ausstellungsraum Fuhrwerkswaage Köln |
| 1993 | Crossover, Artothek Köln |
| Metagenneto, Installation Agneskirche Köln |
Arbeiten im öffentlichen Raum
| 2010 | Globules, Park von Les Tourelles, Sainte Maxime, Frankreich |
| Capsules, Berufsbildende Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler | |
| 2008 | Künstlerisches Generalkonzept für die Gestaltung der Nord-Süd- |
| Stadtbahn Köln (Endauswahl internationaler Wettbewerb) | |
| 2005 | Wachstum, Oberwart, Österreich |
| 2004 | Who is afraid of red, yellow and blue? 1. Platz eingeladener Wettbewerb |
| Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene Freiburg | |
| 2001 | Transfusion III, Städtisches Klinikum Duisburg-Wedau |
| Leihgabe Wilhelm- Lehmbruck-Museum Duisburg | |
| 1999 | Binärturm, 1. Platz eingeladener Wettbewerb: Landmarke für Technologiepark |
| in Bochum mit Schaller Theodor Architekten (Innovationspreis des Landes NRW) | |
| 1995 | Axiome, Rheinisches Autobahnamt, Krefeld |
