Contemporary Art

Ae Hee Lee

Werke

Interpretation

Über die Künstlerin Ae Hee Lee und ihre Werke:
„Die zentrale Fragestellung in Ae Hee Lees künstlerischer Praxis ist das Kennenlernen des eigenen Unbewussten, das Hinabtauchen in die dem Wachbewusstsein verborgenen Bereiche des Selbst. […] Im Wesentlichen entstehen dabei zwei Werkgruppen, das „Life Project“ mit kleinen Figuren von sich selbst und von Verwandten und Freunden, das sie 2008 beginnt, und die „Dream Records“, in denen sie sich ab 2013 mit ihren Träumen beschäftigt. […]

Im „Life Project“ begibt sich die Künstlerin auf die Spur ihrer unbewussten Gefühle, sie versucht, sich an entscheidende Ereignisse und die damit verbundenen Gefühle zu erinnern, und geht dabei bis in die Kindheit zurück. […] In alten Fotografien von ihr selbst und ihrer Familie studiert sie den Gesichtsausdruck und die Gestik der Personen und entdeckt so bestimmte Zeichen für den – oft unbewussten – Ausdruck von Gefühlen. Für diese freigelegten Gefühle erfindet Lee, die in Seoul Plastik und Skulptur studierte, eine gestische Zeichensprache und gestaltet danach kleine Tonfiguren mit einer bestimmten Gestik, die den Gefühlsausdruck abbilden. […]

Ae Hee Lee gruppiert die Figuren in großen Bodeninstallationen auf Kies, Lehm oder Holzklötzchen. […] Es entsteht zwar, wie Lee schreibt, „eine Gesellschaft, die nur in meiner Erinnerung so existiert“. Doch der scheinbar individualpsychologische Kontext, den die Künstlerin in ihren Miniaturwelten entwirft, bleibt nicht an das erinnerte individuelle Lebensumfeld gebunden, sondern weist auf gesellschaftliche Formen der Interaktion, von Gruppenbildung, Ausgrenzung, Zugehörigkeit und Einsamkeit hin. […]

Die schnell am Morgen nach dem Aufwachen skizzierten Traumsequenzen bestimmen das Projekt der „Dream Records“. Jeden Tag überträgt die Künstlerin die Zeichnung in ein kleinformatiges Traumbild von 20 x 20 cm. Diese sogenannten „Tagesbilder“ setzt Lee in ein kalendarisch geordnetes Monatsbild ein, so dass die erste Traumzeichnung eines Monats, der zum Beispiel mit dem dritten Tag der Woche beginnt, erst ins dritte Feld eingetragen wird. […] Lees zeichenhaft reduzierte Bildsprache, die in kleinen weißen Farbtupfen das Traumgeschehen nur in Umrissen andeutet, zeigt eine Welt im Miniaturformat: Großstadtszenerien, kaum erkennbare Chiffren von Hochhäusern, Autos, Straßen, Bäumen, Strichmännchen und manchmal koreanische Schriftzüge. Die Künstlerin schildert diese Welt im Kleinen aus einer seltsamen Perspektive: Mit starker Aufsicht, so als würde sie von hoch oben, etwa von einem Wolkenkratzer oder Flugzeug aus, nach unten sehen. […]

Eine seltsame Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit erfüllt diese Szenen. Der Blick aus großer Distanz, der automatisch die perspektivische Verkleinerung der Welt zur Folge hat, führt auch zur emotionalen Distanz […]. Die ruhig fließende Erzählung der Traumbilder strahlt etwas Meditatives aus und erfüllt die Bilder mit einem poetischen Klang. […]

Dem Betrachter tritt somit ein visuell-poetisches Ganzes entgegen, als Gesamtheit aus materieller Präsenz von Farbe und Form und den Assoziationsräumen, die die Sprache von Malerei und Plastik zu erzeugen vermag. Wie in einem Gedicht findet man in den Traumbildern, aber auch in Lees „Modellwelten“, Formulierungen visueller Art, die einen Blick hinter die Oberfläche ermöglichen, in den nach wie vor rätselhaften Raum der Psyche, der trotz aller Erkenntnisse von Psychologie und Hirnforschung bisher nur in Teilen erforscht ist.

(Lida von Mengden)
© 2012 Galerie Maurer Frankfurt am Main – Impressum


Vita

seit 2011 lebt und arbeitet in Berlin
2008 – 2011 Studium Freie Kunst, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (Diplom)
seit 2007 lebt in Deutschland
2001 – 2006 Studium Freie Kunst, Kyungwon University of Art (BA), Süd Korea
1982 geboren in Seoul, Süd Korea

Preise und Stipendien

2016 ZONTA-Kunstpreis 2016 des ZONTA Club Ludwigshafen-Pfalz,
Ludwigshafen, Deutschland
2011 DAAD Stipendium, Deutschland
2005 Kyungwon University Stipendium, Süd Korea

Einzelausstellungen

2017 „Dream Records 976“, Galerie Maurer, Frankfurt
2016 „Memory“, OSTASIENINSTITUT der Hochschule Ludwigshafen am Rhein,
Ludwigshafen
„Dream Records 944“, Städtische Galerie Schwabach
„Dream Records 822, Memory Records 70 –
Ich-Forschungen“, ZONTA-Kunstpreis 2016
des ZONTA Club Ludwigshafen-Pfalz, Kunstverein Ludwigshafen
2013 „Cosmos“, SCHAUBUDE Theater-Kulturprojekte Berlin
2012 „Koexistenz“, EMERSON Gallery Berlin
„Familie“, SCHAUBUDE Theater-Kulturprojekte Berlin
2010 „My Diary“, Galerie auf Zeit – Räume für Kunst, Braunschweig

Gruppenausstellungen

2017 „KunstBoulevard-Malerei und Fotografie“, Kulturamt Steglitz –
Zehlendorf in Kooperation mit Boulevard Berlin
2016 „Immer.Wieder – Kunstwerke als Dokumente zeitlicher Prozesse“, Kunstverein
Pforzheim, Pforzheim
„Timelines“, Kunstverein Ludwigshafen in Kooperation mit dem 2016 PORT25,
Ludwigshafen und Mannheim
„Unbegrenzte Möglichkeiten“, item GmbH, Ulm
„KunstBoulevard-Malerei und Fotografie“, Kulturamt Steglitz – Zehlendorf
in Kooperation mit Boulevard Berlin
„Anke Westermann`s Projektor-Projekt in 1#1SITE“,Phoenix-BB, Berlin
2015 „KunstBoulevard“, Boulevard Berlin, Kulturamt Steglitz – Zehlendorf, Berlin
2013 „Blickwinkel“, Galerie Markus Doebele, Dettelbach OT Effeldorf
„Schwabacher Kunsttage Ortung VIII-Im Zeichen des Goldes“, Rathaus,
Goldener Saal, Schwabach
2012 „Heimat“, Galerie Markus Doebele, Dettelbach OT Effeldorf
2011 „Mit Alles“, Galerie „Vom Zufall und vom Glück“, Hannover
„My favorite things – Bilder einer Sammlung“, Galerie auf Zeit –
Räume für Kunst, Braunschweig

Schreibe einen Kommentar