| Man macht es sich zu einfach, wenn man, einem ersten Eindruck folgend, Jan Davidoffs Bilder mit dem Begriff „gegenständliche Malerei“ abtut. Vielmehr sind die Arbeiten auf einer Ebene zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion anzusiedeln, auf der reale, erlebte Szenen mit einer tiefer gehenden Bedeutung konfrontiert werden. Dafür werden die auf Reisen fotografierten und dann im Atelier mithilfe des Computers überarbeiteten Erlebnisse als Schattenrisse verfremdet und durch Überlagerung und Überhöhung in aussagekräftigere Zusammenhänge gerückt und neu bewertet. So sind die Bilder der schier endlosen Menschenmengen durch Davidoffs Erlebnisse in den weltweiten Touristenhochburgen inspiriert. Es geht nicht mehr um eine reale Szene vor einem mächtigen Kathedralbau oder auf einem stark besuchten Volksfest, es geht vielmehr um die Menschenmasse an sich und die Rolle des Individuums in ihrer Mitte. In Davidoffs Bildern fällt die eine oder andere Person auf, durch außergewöhnliche Kleidung oder eine besonders exponierte Stellung. Im Ganzen geht der Einzelne jedoch unter und man nimmt nur die dominierende Menge an sich wahr, ähnlich wie in einem Bienenstock. Das weckt ein Gefühl von Verlorenheit, gleichzeitig aber auch den Willen zur Selbstbehauptung. Jan Davidoff schafft es auf diese Weise, eines der grundlegenden Bedürfnisse des Menschen in der heutigen Gesellschaft, die Wahrnehmung als einzigartiges Individuum, in seinen, auf den ersten Eindruck so einfach als gegenständliche Malerei klassifizierbaren Bildern zu vermitteln. Schnell wird ersichtlich, dass es sich bei Davidoffs Arbeiten nicht um bloße Reiseimpressionen, sondern um eine Evaluierung der zeitgenössischen gesellschaftlichen Konstellationen handelt. |